Der Dreiberg im Wappen

Sehr Fantasievolles wird oftmals dem Dreiberg in einem Familienwappen zugeschrieben. Er sei als Zeichen für landwirtschaftlichen Besitz in das Wappen der Familie aufgenommen worden, dessen sie leider später wieder verlustig gegangen sei, etc, etc. Es scheint an der Zeit, diese Mär ein für alle Mal richtig zu stellen. Der Dreiberg erscheint im Wappen nicht von Anbeginn. Kein Wappenträger musste ursprünglich seinen Landbesitz im Schilde kundtun, denn ohne Landbesitz wäre zu Beginn des Wappenwesens auch niemand Träger eines Wappens geworden.

So finden wir beispielsweise unter den beinahe sechshundert Wappen in der Wappenrolle von Zürich, erstellt zwischen 1335 und 1345, nur einige ganz wenige Beispiele, und diese sind beinahe ausnahmslos redend, das heisst, sie weisen mit dem Berg direkt auf den Namen hin.[1] Erwähnt seien auszugsweise die Spiegelberg (In Rot auf einem grünen Dreiberg drei runde blaue Handspiegel mit goldener Fassung und goldenem Griff)[2], die Ringenberg (In Silber auf einem grünen Dreiberg ein mit einem roten Tuchstreifen umwundener silberner Ring)[3] und die Hornberg (In Gold auf einem grünen Dreiberg zwei gestürzte schwarze Hifthörner mit roten Schnüren)[4]. 

Wappen Spiegelberg in der Wappenrolle von Zürich 1335/45

Auch auf den noch früher datierten Wappenbalken im Zürcher Haus zum Loch aus dem Jahre 1306 findet sich nur ein einziges Wappen mit einem heraldischen Berg, nämlich dasjenige der Familie Schwarzenberg (In Silber ein freischwebender schwarzer Fünfzehnberg).[5] Auch hier ist das Wappen also redend.

Daneben diente der (Drei)berg oft und weit mehr als Basis für daraus wachsende Objekte, Bäume, Blumen, oder darauf stehende Tiere. Dies gilt natürlich auch für in der Heraldik vorkommende Vier-, Fünf-, Sechs-, und weitere Berge, Hügel und Boden.[6] Grundsätzlich kann der heraldische Dreiberg jeweils im Schildfuss als Heroldsbild (als Wappenschnitt von Schildrand zu Schildrand mit erhöhtem mittlerem Bogen) oder freischwebend als gemeine Figur im Wappen vorkommen.[7] Beispiel für den Dreiberg als Heroldsbild wäre das erwähnte und hier abgebildete Wappen Spiegelberg, Beispiel für eine gemeine Figur der Fünfzehnberg im Wappen der erwähnten Familie Schwarzenberg.

Der Dreiberg im Wappen bezeichnet also keinesfalls den landwirtschaftlichen Besitz des Wappenträgers. Vielmehr kann er neben den oben angeführten Erklärungen darauf hinweisen, dass sich deren Träger mit der Landwirtschaft verbunden fühlten. Oft wurden damit auch einfach Landgeschlechter gekennzeichnet. Viele ursprünglich an Symbolik einfachere Wappen auf der Landschaft wurden nämlich im 18. und 19. Jahrhundert durch Dreiberge und Sterne „aufgebessert“, um beim Betrachter etwas mehr Schein zu erzeugen. So entstand wohl auch die Mär vom landwirtschaftlichen Besitz des Wappenträgers mit einem Dreiberg im Wappenschild. Wir können natürlich heutzutage nicht mehr nachvollziehen, ob ein Wappenstifter aus dieser jüngeren Zeit mit einem Dreiberg in seinem Schild zufällig gleichzeitig auch Landbesitzer war, dürfen dies aber wie beschrieben niemals aufgrund des Wappens als vorausgesetzt betrachten.

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[1] MERZ Walther/HEGI Friedrich, Die Wappenrolle von Zürich, Ein heraldisches Denkmal des vierzehnten Jahrhunderts und getreuer farbiger Nachbildung des Originals mit den Wappen aus dem Hause zum Loch, Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Orell Füssli Verlag Zürich und Leipzig, 1930.
[2] Ebd., S. 51 und Tafel VII.
[3] Ebd., S. 66 und Tafel IX.
[4] Ebd., S. 130 und Tafel XVIII.
[5] Ebd., S. 238 und Tafel XXXI.
[6] JENNI Hans, Heraldische Notizen, Ursprung, Gestaltung und Entwicklung von Wappen, Genealogisch-Heraldische Gesellschaft Bern, Läderach AG Bern, 2007, S. 126.
[7] OSWALD Gert, Lexikon der Heraldik, Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich, 1985, S.60.